Was machen Senioren-Assistenten? Hier einige Praxisbeispiele:

Praxisbeispiel 1

Zur Person

Allein lebende Seniorin im eigenen zu Hause – 93 Jahre alt, selbstbestimmt –
die Angehörigen wohnen weiter entfernt

Ausgangssituation

Die Seniorin wünscht sich eine persönliche Bezugsperson, die regelmäßig und in Sondersituationen für sie da ist. Sie bucht sich eine Senioren-Assistenz für 2 Stunden die Woche und bei Bedarf mehr.

Vorteile für die Seniorin

  • sie hat eine/-n Zuhörer/-in und eine dauerhafte, regelmäßige Bezugsperson an Ihrer Seite
  • es entsteht Vertrautheit und Sicherheit
  • der Alltag kann besprochen und organisiert werden
  • die Lebenssituation und eventuellen Veränderungen können besprochen und organisiert werden – z.B. würde sie sich gern zu Hause frisieren lassen
  • durch die regelmäßigen Besuche Ihrer/Ihres Senioren-Assistenten/-in kann die Seniorin wieder planen - diese Woche großer Einkauf, nächste Woche usw.
  • sie bleibt selbstbestimmt und unabhängig
  • sie lebt weiterhin allein und gern in ihrem geliebten zu Hause

Vorteile der Angehörigen

  • Entlastung, Regelmäßigkeit und Sicherheit

Vorteile der Senioren-Assistenz

Der/die Senioren-Assistent/-in lernt die Lebensgeschichte und Lebensgewohnheiten der Seniorin kennen - ein besonderer Inneneinblick, der eine sehr persönliche und individuelle Betreuung ermöglicht.

Kosten für diese Senioren-Assistenz *

2 Stunden à 30 Euro inkl. MwSt. = 60 Euro pro Woche

* Die Kosten können variieren, dienen jedoch der Orientierung.

Praxisbeispiel 2

Ausgangssituation

Allein lebender Senior , ehemaliger Leistungssportler, seit Jahren täglich sportlich aktiv als „Morgenschwimmer“ im Freibad, 89 Jahre

Nach einem Schlaganfall hat der Senior seinen Führerschein freiwillig abgegeben und ist nun eingeschränkt in seiner Mobilität.

Das vertraute Freibad ist vom Wohnort 37km entfernt. Die Busverbindungen zum Schwimmbad beinhalten einen Umstieg am Busbahnhof. Dies strenge ihn an, er fühlt sich unsicher und dem körperlich nicht gewachsen.

Immer öfter fallen seine sportlichen Stunden aus. Er vermisst die regelmäßigen morgendlichen Schwimmeinheiten und die sozialen Kontakte die damit verbunden sind.

Wunsch/Bedarf

  • Der Senior wünscht sich zunächst einen sicheren Fahrer der ihn von Haustür zu Haustür geleitet.

  • Er bucht hierfür eine Senioren-Assistentin, die ihn täglich, zuverlässig ins Schwimmbad fährt.

  • Die Senioren-Assistentin bleibt aus eigenem Interesse im Schwimmbad. Sie bemerkt die zunehmende Unsicherheit des ehemaligen Leistungsschwimmers. Nach Absprache mit dem Senior übernimmt Sie zusätzlich zu den Fahrdiensten eine Schwimmbegleitung.

  • Die Senioren-Assistentin holt den Senior nun regelmäßig pünktlich ab, und begleitet ca. 2 Stunden täglich beim Schwimmen. Es wird eine "Sommerpauschale" vereinbart.

Nutzen für den Senior- sofort spürbar

„Sein“ Freibad auch weiterhin aufsuchen zu können, empfindet der Senior als wahre Lebensqualität.

Der Senior erlangt zunehmend wieder Sicherheit und Vertrauen in seine Fähigkeiten mit der Senioren-Assistentin an seiner Seite.

Er genießt den ganzen Sommer die vertrauten Gespräche mit den „Morgenschwimmern“

Seine Beweglichkeit nimmt wieder zu.

Er fühlt sich stark und psychisch ausgeglichen.

Lebensfreude und sein Humor kommen wieder hervor. „Mit Ihnen trau ich mich wieder in die Beckenmitte und kann ich mir ganz in Ruhe die Mädels von der Wassergymnastik anschauen. Ich sehe ja nicht mehr so gut.“

Der Senior beendet mit der Freibad Saison die Begleitung durch die Senioren-Assistentin. Über den Sommer ist zwischen dem Senior und der Senioren-Assistentin eine fundierte Vertrauensbasis gewachsen.

Nachhaltiger Nutzen

In unregelmäßigen Abständen nimmt der Senior Kontakt zur Senioren-Assistentin auf, um einen akuten Bedarf zu decken. z.B. Begleitung zu einer ambulanten Operation und Nachbetreuung zu Hause, um nicht im Klinikum bleiben zu müssen. Oder lässt sich einen Winterdienst vermitteln.

Nutzen für die Senioren-Assistentin und ihre Arbeit

Beide freuen sich schon auf die bevorstehende Freibad Saison. Der Senior möchte gern die Schwimmtechnik seiner Senioren-Assistentin verbessern.

Praxisbeispiel 3

„Ich bin glücklich! Ich habe (m)eine Senioren-Assistentin!“

Vor einigen Jahren ist meine Frau verstorben. Unser Haus verkaufte ich daraufhin. Ich war damals auch schon Mitte Achtzig. Ich zog in den Spessart. Doch das sollte nicht mein letzter Umzug bleiben.

Es war noch nicht so, dass ich mich gut aufgehoben fühlte. Nach etwa zwei Jahren beschloss ich, in „Betreutes Wohnen“ zu wechseln. Die örtliche Senioren-Assistentin, die ich ab und zu für behördliche Angelegenheiten in Anspruch nahm, ließ ich nun diesen Umzug begleiten. Es ging etwa 260 km Richtung Norden. Sie übernahm praktisch die gesamte Organisation und war auch aktiv dabei. Es lief nicht nur glatt sondern hervorragend! Noch ein paar Tage blieb sie am neuen Ort bei mir und half dort beim Auspacken, Einräumen, Organisieren, Ummelden, als auch die neue Umgebung zu erkunden.

Von dem sogenannten „Betreuten Wohnen“ war ich sehr enttäuscht. Es entpuppte sich schnell als ein riesiges Pflegeheim mit nur wenigen Wohnungen für „Betreutes Wohnen“! Beim Probewohnen wurde mir das nicht bewusst. Und es erdrückte mich, die vielen pflegebedürftigen Menschen im Rollstuhl oder an Krücken zu sehen. Sie saßen immer im Eingangsbereich und starrten apathisch vor sich hin. Ich suchte Kontakte, um beispielsweise zu spielen oder zum „etwas anspruchsvolleren“ Austausch. Das gelang mir nicht. Ich hatte dort absolut keinen Antrieb für Kreativität und Lebensfreude, zu nichts! Sogar im Kulturverein des Städtchens wurde ich Mitglied, um das Defizit zu kompensieren. Es half nichts.

Mein einziger Lichtblick waren die gelegentlichen, fürsorglichen Anrufe der Senioren-Assistentin. Die machten mir Mut. Ich dachte um! Nach nur kurzer Zeit entschied ich mich, wieder eine eigene Wohnung zu nehmen und mich in ihre Obhut zu begeben. Ich zog in die Nähe der Senioren-Assistentin in eine möblierte Einliegerwohnung.

Heute erfreue ich mich eines freien und glücklichen Lebens, wenngleich meine Sehkraft weiter abnahm. Mein Auto musste ich deshalb aufgeben. Doch dank der Senioren-Assistentin habe ich diesen schwierigen Schritt ohne großes Bedauern bewältigt.

Sie fährt mit mir überall hin. Sie steht mir im Alltag auf vielfältige Weise bei. Auch ich habe meine Aufgaben. Wir kochen, wir sprechen. Sie hilft bei der Postbearbeitung. Ich habe sogar eine Menge Fertigkeiten von ihr gelernt! Mein Tag ist strukturiert und macht Freude. Ich arbeite wieder an meinem Hobby (Zeichnen) – jedenfalls soweit es die Augen zulassen. Ich spiele auch wieder Mundharmonika, und wir hören Musik. Oft lachen wir und tanzen schon ´mal. Als Rheinländer bin ich eine Frohnatur! Bei mir finden regelmäßig Spieletreffs mit anderen Senioren statt. Meine Vermieter sind sehr nette Leute. Die Frau bringt oft am Wochenende selbstgebackenen Kuchen runter! Mit meiner Senioren-Assistentin kam ich zu einem neuen Hörgerät. Ich habe jetzt auch richtig verstanden, wie die Einstellungen funktionieren und wie das mit der Reinigung und dem Batteriewechsel richtig geht. Außerdem finden wir Hilfsmittel für die Augen. Im Sommer fahren wir zusammen Fahrrad, Dreirad-Tandem. Ich laufe nämlich nicht so gut und habe so trotzdem Bewegung und frische Luft! Und manchmal nimmt sie mich auch mit zu ihren Bienen. Ich „unterhalte“ mich dann mit den Kätzchen der Umgebung. Früher hatte ich selber mehrfach Hunde und auch Katzen. Und, natürlich, machen wir auch Ausflüge – oft auch mit mehreren Leuten. An längeren Abenden wird manchmal von früher erzählt.

Verwandtschaft in Deutschland habe ich nicht. Einzig mein Bruder in Kalifornien lebt noch. Meine Senioren-Assistentin ermöglicht uns regelmäßige Telefonate über das Internet. Wir können uns sogar sehen! Das ist für uns beide in unserem Alter – ich werde in Kürze 90 Jahre! – eine große, große Freude.

Alles in allem muss ich gestehen, hätte ich nie im Leben auch nur im Traum daran gedacht, dass mir noch im hohen Alter solches Glück widerfahren würde!

Das Wichtigste dabei für mich ist, zu erleben wie ein Mensch mit Freude und aus ganzem Herzen sein Bestes für einen anderen Menschen gibt.

Ich kann nur jede Seniorin und jeden Senioren ermuntern, in diese Richtung zu suchen. Es lohnt sich!

 

Bericht von Nicolette Reichmann, 97839  Esselbach